THE VENTURE: Patent sucht Gründer

THE VENTURE: Patent sucht Gründer

„Patent sucht Gründer“ – das ist das Motto des Gründerwettbewerbs THE VENTURE. Das Prinzip: Start-Ups und Patente werden zusammengebracht und profitieren voneinander. So kommen hoffentlich viele gute Ideen und Projekte auf den Markt, die sonst in der Schublade von Unternehmen “versauern” würden. Innovative Vorhaben und junge Unternehmen sind wie zwei Puzzleteile, die THE VENTURE zusammenbringt. Ich habe das Prinzip “Patent Zweitverwertung” als Intrapreneurprogramme bereits in Unternehmen umgesetzt und finde es toll, daß endlich das erste öffentliche Gründerprogramm dazu aufgesetzt wurde. Ich bin als Mentor dort aktiv und möchte Euch THE VENTURE näher vorstellen. Dafür habe ich Martin Reichenbach zum Interview getroffen.

 

THE VENTURE bringt Idee und Gründer zusammen

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Bild © THE VENTURE

Hallo Martin, THE VENTURE ist auf den ersten Blick ein Gründerwettbewerb unter vielen anderen. Was macht THE VENTURE besonders?

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Gründungswettbewerben besteht darin, dass Gründungswillige keine eigene zündende Idee mitbringen müssen, um an THE VENTURE teilzunehmen. Bei uns werden die Patente vorgegeben und die Gründerteams müssen hierzu ein Geschäftsmodell entwerfen.

Wir sind davon überzeugt, dass in Deutschland hervorragende Technologien existieren, welche bis zum heutigen Tag nur teilweise kommerzialisiert worden sind. Die zugrundeliegenden Patente stellen wir Studenten, Absolventen und anderen Gründungswilligen zur Verfügung, um eigene Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Im Erfolgsfall gründen die erfolgreichen Teams eigene Unternehmen und werden von THE VENTURE und dessen Partnern weiterhin unterstützt.

Das THE VENTURE-Motto „Patent sucht Gründer“ ist einleuchtend. Praktisch stelle ich mir das nicht so einfach vor. Beschreib uns doch kurz: Wie läuft das genau ab?

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Bild © THE VENTURE

Im Vorfeld diskutieren wir mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Patentinhabern über Patente und Technologien, die für eine Kommerzialisierung geeignet scheinen. Wir achten auch darauf, Patente und Technologien mit verschiedenen Komplexitätsgraden zur Verfügung zu stellen, um den Techniker ebenso anzusprechen wie den vermarktungsorientierten Gründer. Allerdings haben wir auch viele Patente abgelehnt, weil diese entweder zu trivial, zu komplex oder zu inkrementell waren.

Wer sich bei THE VENTURE bewirbt, kann sein passendes Patent auswählen. Mehrere Gründerteams können also Geschäftsmodelle für dieselbe Technologie entwickeln. Wichtig ist, dass mehreren erfolgreichen Teams die anschließende Nutzung des jeweiligen Patentes ermöglicht wird. Der Gründung einer Gesellschaft steht somit nichts im Wege.

Was haben denn die Unternehmen davon, wenn Sie Patente in den Ring werfen und junge Nobodies daran rumspielen lassen?

Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Erfindern mangelt es häufig am notwendigen Talent mit Gründergeist, Kompetenzen bei der Technologievermarktung und manchmal auch dem Netzwerk in die Gründerszene, um tolle Technologien in ein einträgliches Geschäft zu verwandeln.

Die Gründer „in spe“ haben das notwendige Talent, großartige Ideen zu vermarkten: Vor allem geht es um Mobile Apps, Social Media und Industrie 4.0, die nicht zwangsläufig in denselben Geschäftsfeldern und Märkten wie die Ausgangstechnologie zu finden sind.

Und: Sowohl Gründer als auch Patentgeber können sicher sein, dass sie vom THE VENTURE-Netzwerk aus Organisatoren, Mentoren und Unterstützern profitieren, die die Umsetzung in ein erfolgreiches Unternehmen ermöglichen.

Braucht man THE VENTURE wirklich? Oder, anders gefragt: Warum sollten sich denn Gründer um Patente scheren? Entweder man ist Gründer und hat eine Idee oder man geht in Konzerne und lässt andere für sich denken, oder?

Aktuelle Entwicklungen zeigen ja, dass wir in Deutschland Probleme bei den Unternehmensgründungen haben. Die DIHK spricht von einer Gründungsmisere und fordert mehr Rückenwind für Start-Ups.

Mittelmäßige Ideen sind eben nicht mehr ausreichend, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Anstatt den 100. Onlineshop aufzubauen – no offense – sollten wir uns stärker auf unsere Hightech- und Erfinderwurzeln besinnen und mit großartigen Ideen starten – dabei möchte THE VENTURE helfen.

Außerdem gilt für uns: Einmal Gründer, immer Gründer. Selbst, wenn Teams bei THE VENTURE nicht zur Gründung kommen, hilft die Erfahrung beim nächsten Projekt. Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie schwierig es ist, ein mehr oder wenig erfolgreiches Unternehmen zu gründen und dass man meist mehrere Anläufe braucht, um erfolgreich zu sein.

Auch bei Konzernen sehen wir aktuell eine Flucht nach vorn – wöchentlich sprießen neue Inkubatoren und Acceleratoren aus dem Boden. Das ist doch ebenso ein klares Zeichen, dass der klassische Innovationsprozess im Unternehmen ergänzt werden muss durch Entrepreneurship-Elemente – und Gründerpersönlichkeiten gesucht werden, die neue Entwicklungen vorantreiben. Und diese Talente finden Unternehmen eben auch bei THE VENTURE.

Was passiert denn mit den Patenten bei THE VENTURE, wenn die Idee dahinter von den Gründern wirklich zum Fliegen gebracht wird? Holen die Unternehmen Patent und Know How wieder zurück in den eigenen Einflussbereich?

Um Patente bei THE VENTURE einzubringen, müssen deren Inhaber den erfolgreichen Gründerteams eine kostenfreie Lizenz für ein bis drei Jahre geben. Darüber hinaus gibt es verschiedene Szenarien für die Zusammenarbeit von Inkubation über Exklusivlizenzen bis hin zum Verkauf des Patents an die erfolgreichen Teams. Inkubation über Exklusivlizenzen bis hin zum Verkauf des Patentes an die erfolgreichen Teams.

Bei Carsharing-Technologie und Banking API ist die Rechtevergabe natürlich deutlich einfacher zu gestalten als beispielsweise bei Medizintechnik-Anwendungen.

In Fällen komplexer Erfindungen wie z.B. unseren Bio-Markern kann eine Inkubation im Unternehmen bzw. eine Zusammenarbeit mit dem Erfinder erfolgversprechender sein als ein reiner Lizenzvertrag.

In jedem Fall aber haben wir von allen Technologiegebern die verbindliche Zusage für eine kostenlose Lizenz für einen bestimmten Zeitraum eingeholt – weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit wie etwa der Erwerb von Geschäftsanteilen oder ein Know-how-Transfer können Start-Up und Lizenzgeber dann später individuell vereinbaren.

Welche Unternehmen sind denn schon dabei?

In den ersten Monaten haben wir uns vor allem darauf fokussiert, ein Netzwerk aus hochkarätigen Multiplikatoren aufzubauen.

Inzwischen sind mehr als 70 Hochschulen und Studenteninitiativen an Bord, um THE VENTURE im Universitätsumfeld bekannt zu machen. Für eine breitere Bekanntheit sorgen außerdem Medienpartner wie die Handelsblatt Hochschulinitiative und einschlägige Online-Kapazitäten wie unternehmer.de oder Deutsche Startups.

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor sind unsere Mentoren und Coaches, welche den Teilnehmern bei der Ausarbeitung ihrer Geschäftsmodelle helfen und auf die Pitches vor unserer Jury helfen. Wie auch Du sind alle anderen Mentoren gründungserfahren und haben erfolgreiche Unternehmen wie onpage.org oder i-Potentials gegründet.

Nicht zuletzt haben wir mit dem Gründungsengel e.V. einen tollen Partner, der ein breites Dienstleistungsangebot rund um die Themen Marketing und PR zur Verfügung stellt. Davon profitieren sowohl THE VENTURE als auch die erfolgreichen Gründerteams.

Was sollten Unternehmen mitbringen, um teilnehmen zu können?

Das nötige Kleingeld (lacht). Nein, im Ernst: Wir möchten mit THE VENTURE natürlich kein Strohfeuer entfachen, sondern ein langfristiges Format entwickeln, das wir mindestens zweimal im Jahr durchführen können.

Dafür ist unser Netzwerk aus Mentoren, Universitäten und Patentgebern natürlich sehr wichtig.

Trotzdem müssen wir für die Event-Planung, Kommunikation und Preise natürlich auch auf finanzielle Mittel zurückgreifen. Mein persönlicher Fokus liegt daher momentan auf der Gewinnung von Sponsoren, die an das Konzept glauben und mit denen wir langfristig zusammenarbeiten wollen. Aus unserer Sicht gibt THE VENTURE diesen Partnern eine großartige Plattform, um Talente kennenzulernen, Kontakt zu Universitäten zu knüpfen und sich im Bereich Open Innovation zu positionieren.

Das Bewerbungsverfahren läuft noch bis zum 15. August 2015. Wie ist der Stand der Anmeldungen? Wer kann sich bei Euch bewerben?

Unser Anmeldeprozess ist seit ca. drei Wochen geöffnet. In der vergangenen Woche haben wir mit PR-Maßnahmen begonnen und sind momentan im zweistelligen Bereich, was die Bewerbungen angeht. Wir sind Stand heute auf jeden Fall zufrieden. Aber wir freuen uns natürlich über noch viele weitere Bewerbungen! Interessierte können sich noch unter http://the-venture.info/O4qss bewerben.

Auch wenn unser Fokus bislang stark auf Universitäten lag, richtet sich THE VENTURE an alle Gründungsinteressierten. Ein Uniabschluss ist aus unserer Sicht kein Garant für Gründergeist. Deshalb freuen wir uns natürlich über jeden, der sich einbringen möchte. Vor allem ist es uns wichtig, Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen zu gewinnen. Ein erfolgreiches Gründerteam sollte sich hinsichtlich der Kompetenzen ergänzen.

Lieber Martin, Danke für das Gespräch. Ich wünsche Euch viel Erfolg mit THE VENTURE und hoffe auf interessante Gründungen!

Über Martin Reichenbach

martin reichenbach, the venture

Bild © Martin Reichenbach

Martin Reichenbach hat an der LMU München Medieninformatik studiert, wo der gebürtige Thüringer seit zwölf Jahren lebt. Nach dem Studium arbeitete er gut drei Jahre bei der Unternehmensberatung Marketing & Pricing (Simon-Kucher), davon ein halbes Jahr in San Francisco. Der THE VENTURE-Projektleiter – zusammen mit Dr. Philipp Sandner und Prof. Jörn Block – ist selbst StartUp-erfahren: Er war CMO bei becoacht, Gründer von beACTIVE und Mitgründer bei Gründer-Voucher.de. Beste Voraussetzungen also für das Gelingen von THE VENTURE! Außerdem ist Martin Dozent für Corporate Communications am Campus M21.

2018-01-24T15:59:34+02:0019. Juli 2015|Featured, Innovation|0 Comments

About the Author:

Stephan Grabmeier
Ich bin Chief Innovation Officer bei Kienbaum Consultants International und verantworte die Kienbaum Innovations-Garage. Wir designen Dinge neu und sorgen für ein Upgrade der Organisation. Darüber hinaus begleite ich Vorstände bei deren digitalen Transformation und Kulturwandel zu New Work.

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