Austin SXSW – eine Reise zu digitalen und gesellschaftlichen Trends

Austin SXSW – eine Reise zu digitalen und gesellschaftlichen Trends

Anfang März war ich wieder mit einer Delegation von Wirtschaftswoche und Handelsblatt in Austin, Texas. Nicht um Rodeo zu reiten, sondern um die größte und innovativste Digitalkonferenz der Welt, das Austin SXSW (South-by-Southwest) Festival zu besuchen. Im 31. Jahr, also seit 1987, findet SWSX jedes Jahr statt und es trägt den Geist der cutting edge Community stetig fort. Mit über 450.000 Besuchern ist das Festival eine wilde, atemberaubende, interessante Mischung aus Tech-, Musik- und Filmfestival über die Zukunft interaktiver Medien, Digitalisierung und dem Internet. Zurückgekommen bin ich wieder mit vielen Eindrücken zu spannenden Themen, die mich beruflich und persönlich interessieren und inspirieren. Natürlich läufst Du in Austin gefühlte 5x pro Stunde in Dein FOMO (Fear of missing out) weil man alles was dort stattfindet nicht aufnehmen kann. Ein paar wenige Eindrücke will ich Euch aber nicht vorenthalten!

Austin SXSW, Wiwo Delegation, Gruppenfoto

Die Wiwo-Delegation auf der Austin SXSW. (Bild: © Christiane Gillisen / Wiwo)

Austin SXSW: Trendforschung in Texas

Die Reise zum Austin SXSW Festival ist immer eine Forschungsreise. Eine Forschungsreise, auf der ich zusammen mit vielen spannenden Menschen neue Trends erkundet habe. Trends, die uns in Zukunft prägen werden – vor allem, was unser Kommunikationsverhalten, unseren Umgang mit dem Internet, unsere Beziehung zu Maschinen und unser soziales Miteinander beeinflussen wird.

1. Alles immer mehr mit allem verbunden

Eine meiner Lieblingstrendforscherinnen Carla Buzasi sieht die Weiterentwicklung des mobilen Internets als bahnbrechend für die nächsten Jahre und Jahrzehnte an. Durch 5G-Netzwerke wird in Zukunft auch der letzte Winkel in der Pampa an moderne Kommunikationsmöglichkeiten angeschlossen sein. Auf der Austin SXSW ging es trotz der vielen Tech Nerds verstärkt um die Frage, was das mit uns macht, wie die ständige Erreichbarkeit und Online-Verfügbarkeit von Informationen und Produkten unser Leben und unsere Psyche verändert. Gibt es etwa bald einen radikalen Cut und wir leben in einer Post-Device-Ära? Viel mehr Fragen als Antworten, ein Trend der Denkrichtung in der globalen Vordenker Community ist erkennbar.

2. Back to the Real World

Austin SXSW

Erweiterte Realität. (Bild: © Stephan Grabmeier)

Die so genannten „LocalVists“, wie sie WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel in ihrem Artikel zur Austin SXSW beschreibt, sind dafür ein erstes Anzeichen. Diese verabschieden sich von der virtuellen Welt im Smartphone (zumindest zeitweise) um in der echten Welt etwas zu bewirken. Sie interessieren sich nicht nur für die guten Geschichten, sondern hinterfragen wieder vermehrt kritisch die Inhalte, die dahinter stehen. Dem System misstrauen sie – sie organisieren sich lieber selbst. Damit gehen die „LocalVists“ wichtige Schritte in die Zukunft.

3. Blockchain

Die nächste ökonomische und gesellschaftliche Revolution treibt die Blockchain. Alle Welt redet in dem Zusammenhang oft (nur) von Kryptowährungen und speziell Bitcoins, die genau durch diese Technologie erschaffen werden. Wie Blockchain technologisch funktioniert, habe ich verstanden und im letzten Jahr in China schon praktische Anwendungen gesehen. Auch in Deutschland, speziell in Berlin passiert sehr viel dazu. Aber mir ist auf der Austin SXSW noch ein Stück klarer geworden, welche Auswirkungen die Technologie auf das Internet und Geschäftsmodelle haben kann. Wenn sich Blockchain durchsetzt (und daran glaube ich), dann brauchen Musiker, Banken, Fahrdienste, Hotel- und Zimmervermieter etc. keine Plattformen mehr. Plattformmodelle wie Uber, Airbnb oder Streamingdienste wie Spotify werden so, wie wir sie heute kennen, der Vergangenheit angehören. Denn Anbieter brauchen dann keine Plattform mehr, um ihre Dienste im Internet zu offerieren. Sie machen das künftig einfach über Blockchain und schließen ohne Intermediär mit ihren Kunden direkte sicher Verträge (smart contracts). Betrachtet man Blockchain Browser Technologien wie z.B. Blockstack wird diese Revolution auch Giganten wie Facebook, Google oder Amazon kannibalisieren könnte. Denn in Blockchain Browsern zahlt keiner mit seinen Daten. Eine Diskussion die gerade mehr denn je Regierungen, Techunternehmen, Social Media User und Regulierungsbehörden beschäftigt.

4. Chancen und Gefahren der KI

Eine der beeindruckendsten Sessions war mit Elon Musk. Lange Schlangen gibt es in Austin vor jeder Session aber was Elon Musk hervorrief war unbeschreiblich. Einerseits ernüchtert von Elans Bühnenperformance andererseits begeistert von der visionären Kraft, die dieser Mann mit sich bringt und vor allen Dingen umsetzt, ob Tesla, Space X oder Hyperloop. Der Mann wurde als Rockstar gefeiert.  Ein wichtiges Thema für ihn ist KI. Musk ist nicht so euphorisch gegenüber der Künstlichen Intelligenz, wie man es von einem Vertreter des Silicon Valley erwarten könnte: „Der Wettbewerb um die Vorherrschaft in KI auf nationaler Ebene wird meiner Meinung nach der wahrscheinlichste Auslöser des Dritten Weltkriegs“, so Musk. Mahnende Worte der Gefahr, daß Cyborgs irgendwann die Welt beherrschen können. Es gebe eine Menge schlechte Sachen in der Welt, sagt Musk. Aber man könne nicht immer nur daran gehen, diese zu lösen, sondern müsse manchmal auch Dinge tun, die inspirieren. Dinge, die einen stolz machen würden morgens aufzustehen und Teil der Menschheit zu sein. Sein Schlussplädoyer überzeugte, dass nicht Cyborgs sondern wir Menschen die Welt besser machen können und müssen. Die Verantwortung, ethisch und moralisch nachhaltig Technologie zu entwickeln und damit umzugehen, liegt in unseren Händen.

4. Mehr Vielfalt führt zu einer besseren Welt

Austin SXSW

Mit digitalen Tools seine Botschaft verbreiten. (Bild: © Stephan Grabmeier)

Ein Thema, das mich kontinuierlich beschäftigt, ist Diversity. Nicht nur Carla Buzasi auch Melinda Gates (gatesfoundation) meinte in einer flammenden Rede auf einem Panel, dass die Herrschaft der alten weißen Männer in grauen Anzügen dem Ende zugehen wird. Schauen wir uns die Welt doch an: Bevölkerungszuwächse in Schwellenländern wie Indien oder China werden die Wirtschaft und die Märkte der Zukunft prägen. Junge Menschen, Frauen, verschiedene Ethnien sind die Zukunft. Eine Zukunft, die viel bunter sein wird, als das Bild heutiger Unternehmen uns das glauben lassen. Diversity ist der Schlüssel zu Innovation. Emily Chang, die mit ihrem Buch über Sexismus im Silicon Valley eine Debatte losgetreten hat, war ebenfalls mit von der Partie. Zwar sind wir schon ein paar Schritte gegangen, aber der Weg zu echter Umsetzung von Diversity und Inklusion ist noch weit. Eine buntere und vielfältigere Welt in den Unternehmen und auf den Straßen wird unser aller Leben bereichern und es für viele besser und lebenswerter machen. Das ist in der liberalen (kleinen) Oase Austin im wilden Texas spürbar. Ich bin sicher, diese Energie wird auch viral weitergetragen.

Austin SXSW: trotz FOMO viele neue Impulse

Austin SXSW hat mich wieder schwer begeistert und mich mit einer Fülle von Eindrücken zum Nachdenken inspiriert. Leider kann ich nur ein paar wenige Aspekte hier beschrieben. Viele Themen, die mich bewegen, wurden angesprochen, vieles habe ich leider nicht gesehen always FOMO. Was bedeutet: Austin sieht mich nächstes Jahr sicher wieder 😉.

Quelle Titelbild: © Stephan Grabmeier

2018-04-18T10:34:32+00:0015. April 2018|Digitalisierung, Featured, Innovation|0 Comments

About the Author:

Stephan Grabmeier
Ich bin Chief Innovation Officer bei Kienbaum Consultants International und verantworte die Kienbaum Innovations-Garage. Wir designen Dinge neu und sorgen für ein Upgrade der Organisation. Darüber hinaus begleite ich Vorstände bei deren digitalen Transformation und Kulturwandel zu New Work.

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